
Gentechnikfreie Region
Auszug aus “Nachgefragt: 25 Antworten zum Stand des Wissens rund um den Öko-Landbau und Bio-Lebensmitteln”, Herausgegeber: Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. (BÖLW), November 2006
Der Ökolandbau lehnt die riskante technologische Manipulation der Natur ab
Der Ökologische Landbau hat seine Wurzeln in einer ganzheitlichen Betrachtung natürlicher Zusammenhänge, in der die Natur als nicht beliebig manipulierbar begriffen wird. Die Gentechnik hingegen folgt dem Prinzip der technologischen Machbarkeit und betrachtet Lebewesen als willkürlich zerleg- und veränderbares Material. Anders als bei der klassischen Züchtung, in der das gesamte Erbgut zweier Individuen der gleichen oder nahe verwandten Art miteinander kombiniert wird, zerstückelt und isoliert die Gentechnik das Erbmaterial und überträgt es auch über Artgrenzen hinweg. So wurden dem schädlingsresitenten Mais Gene des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis eingebaut. Die reduktionistische Problemlösung der Agrogentechnik wird den komplexen Ursache-Wirkungsbeziehungen in der Natur nicht gerecht. Zudem nimmt Sie unkalkulierbare ökologische und gesundheitliche Risiken sowie hohe Folgekosten in Kauf.
Risiken und vermeintliche Vorteile der Gentechnik
Teile der Forschung und Anwendung finden in der freien Natur und daher weniger gesichert als im Labor statt. Eine Ausbreitung und Vermehrung der gentechnisch veränderten Organismen (GVO`s) lässt sich weder ausschließen noch kann sie rückgängig gemacht werden; Rückholpläne existieren nicht. Das wird besonders dann zum gravierenden Problem, wenn sich herausstellen würde, dass bei ihrer Zulassung Risiken übersehen wurden. Zudem drohen Auskreuzungen die traditionellen Kultur- und Wildpflanzen unwiederbringlich verunreinigen.
80% der derzeit verwendeten genmanipulierten Pflanzen verfügen über eine Toleranz gegen spezielle Totalherbizide und ermöglichen so deren großflächigen Einsatz. Ackerunkräuter werden fast komplett vernichtet, wodurch zugleich Insekten und in der Folge Vögeln und anderen Tieren wichtige Nahrungsquellen entzogen werden. Die Gentechnik verstärkt daher das durch die herkömmliche Intensiv-Landwirtschaft bedingte Artensterben. Das Versprechen der Herbizideinsparung kann nicht gehalten werden: Durch den intensiven Einsatz der Totalherbizide bilden Unkräuter zunehmend Resistenzen aus, die mit mehr Spritzmitteln bekämpft werden müssen…
Gentechnik bietet keine nachhaltige Lösung des Hungerproblems
Die Ursachen des Hungers sind weit komplexer, als dass sie sich mit speziellen Eigenschaften bestimmter Pfanzen beheben lassen würden. Durch die hohen Kosten genmanipulierten Saatgutes sowie Verdrängen heimischer angepasster Sorten und Anbauverfahren besteht die Gefahr neuer Abhängigkeiten für Menschen mit ohnehin geringen finanziellen Mitteln. In Argentinien hat der verstärkte Anbau von GV-Soja für den Export (Soja wird überwiegend als Schweinefutter für die Industrieländer angebaut) das Hungerproblem verschärft, da Kulturen für die Versorgung vor Ort zurückgedrängt wurden. Entwicklungshilfeorganisationen wie Brot für die Welt oder Misereor sprechen sich klar gegen die Agro-Gentechnik aus.
Gefahr von Verunreinigungen und Verteuerung von Bio-Produkten
In der Öko-Lebensmittelwirtschaft ist die Anwendung der Gentechnik verboten. Betriebsinterne Qualtätssicherungsmaßnahmen, das Öko-Kontrollsystem und die staatliche Lebensmittelübewachung gewährleisten die Einhaltung dieses Verbots. Bei einer Ausweitung des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen steigt jedoch das Risiko einer Kontamionation von Öko-Produkte. Da der Öko-Landbau eingebunden in seine Umgebung wirtschaftet kann die Verunreigung mit GVO`s etwa durch Pollenflug von Nachbarfeldern sowie unbeabsichtigte Vermischung bei Ernte, Transport oder Verarbeitung nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden.
Um Bio-Produkte gegen Gentechnikeinträge zu sichern, sind umfangreiche und kostspielige Qualitätssicherungsmaßnahmen notwendig. So werden Bio-Soja Produkte mehrfach auf GVO Kontaminationen überprüft. Eine Analyse kostet ca. 150 Euro. Ferner müssen Landwirte frühzeitig Beweise sichern und Maßnahmen dokumentieren, um sich gegen mögliche Schäden absichern zu können. Die Gesetze ordnen diesen zusätzlichen Aufwand nicht den Verursachern zu. Daher müssen die Mehrkosten bislang von denen getragen werden, die den Einsatz der Gentechnik ablehnen.
Quelle “Nachgefragt: 25 Antworten zum Stand des Wissens rund um den Öko-Landbau und Bio-Lebensmitteln”, Herausgegeber: Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. (BÖLW), November 2006

Gentechnikfreie Region Auenland Mittelelbe
Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt Gentechnik ab. Zahlreiche Regionen und landwirtschaftliche Betriebe in Europa haben sich zu gentechnikfreien Regionen eklärt, um auch künftig eine Landwirtschaft ohne Gentechnik sicherstellen zu können.
Eine dieser Gentechnikfreien Regionen ist die Region Auenland Mittelelbe. Sie beschreibt ein Gebiet 25 km beidseitig der Elbe in Sachsen Anhalt und Brandenburg. Die Unterzeichner verpflichten sich in ihrem Betriebsgebiet bzw. ihrem Zuständigkeitsbereich:
keine gentechnisch veränderten Pflanzen (GVO-Pflanzen) anzubauen
kein gentechnisch verändertes Futter einzusetzen. Als GVO Futter gilt Futter, das entsprechend der EU Vorgaben seit dem 18.April 2004 gekennzeichnet werden muss.
Ansprechpartner in der Region ist:
Tilo Rose, Kühren 33b, 06385 Aken OT Kühren, Telefon: 034909-84327
die Koordination erfolgt durch:
Jürgen Hartmann, Gäa Sachsen-Anhalt e.V., Windmühlenbreite 25d, 39164 Wanzleben, Telefon 039209-53799; gaea-schleibnitz@t-online.de